Gedanken zur re:publica 2012
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Da hatte ich mich doch nach stundenlangem Twittern und Verfolgen der re:publica schon fast vom PC zurückgezogen, als es plötzlich im Facebook los ging: „Poetry Spam auf der re:publica, unbedingt anschauen!“ lauteten die vielen Posts meiner Freunde. Und zum Glück habe ich auf sie gehört.

Als Inés Gutiérrez, Carolin Buchheim, Maike Hank und Sue Reindke unter dem Namen „Poetry Spam“ wahllos Emails aus ihren eigenen Spam-Postkörben vorlasen, verfiel nicht nur ich vor dem PC in einen Lachrausch. Das ganze Berliner Publikum tobte.

In deutscher Sprache aus dem Online-Übersetzer werden dem Empfänger die skurrilsten Dinge angeboten: gottesfürchtige Babys zur Adoption, Penisverlängerungen, Potenzmittel, Kredite oder schwangere Frauen, willig den Beischlaf zu vollziehen. Besonders komisch wird es, wenn Sue Reindke den Absendern geantwortet hat. Der daraus entstandene Email-Verkehr ist so lustig, dass keine Gag-Writer ihn sich ausdenken könnten.

Ausschnitte des Poetry-Spams können in der ZDF Mediathek angesehen werden.

Julia


 

FAIL-Award auf der re:publica 2012

Webvideopreis: FAIL-Award
Worte bedarf es hier keine… Das Publikum gröhlt und auch mir verschlägt es die Sprache! Aber seht euch doch selbst mal den Jungbauernhofrap an…

LG Julia 

Die Zukunft des Journalismus: „Eine klägliche Bestandsaufnahme“

Das re:blog hat heute ein Video des Vortrags „Innovationslabore des Journalismus – der Funke springt über“ veröffentlicht. Darüber sind wir sehr dankbar, denn es war eine spannende Diskussion, die der Auftritt gestern auf Stage 4 der re:publica in Berlin hervorgebracht hat.

Auf der Bühne standen die Herausgeber des Portals Vocer.org: Journalistin und Bloggerin Ulrike Langer, Medien- und Kommunikationswissenschaftler Dr. Leif Kramp, Journalistikprofessor Dr. Stephan Weichert und Journalist Alexander von Streit. Sie haben mit dem Publikum über die Zukunft des Journalismus in Deutschland debattiert. Grundlage für die Diskussion waren unter anderem die Ergebnisse der Studie „Innovationsreport Journalismus“.

Das Kernergebnis der Studie lautet:

„Das Internet ist in den Geschäftsführungen der großen Verlage in Deutschland angekommen“.

Großartig. Willkommen im 21. Jahrhundert. Sie zeigt einmal mehr, dass die deutsche Medienbranche nicht besonders innovativ zu sein scheint: Es wird noch zu viel ins Ausland geschaut, und zu wenig experimentiert.

„Eine klägliche Bestandsaufnahme“, nannte Weichert das. Und so sah es auch das kritische Publikum, bei dem die Bühnenshow nicht durchweg gut ankam: Ja, die Verlage sind verschlafen. Aber, viel schlimmer: Selbst die sogenannten Kreativen schaffen es nicht so recht, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwerfen – eines, das sowohl finanziell als auch für die Nutzer funktioniert. „Was Besseres kriegen wir nicht hin“, hieß es aus dem Publikum und „bei uns steckt noch vieles in den Kinderschuhen“ auf der Bühne.

Ein bisschen deprimierend ist das schon. So wie der Trend zum „Mobilen Journalismus“ in Deutschland, den die Studie ausgemacht hat: Ein-Mann-/Frau-Redaktionen rücken mit ihrem Handy aus und machen alles ganz alleine: texten, filmen, fotografieren, vertonen etc. – und das meist für einen Lohn, für den jeder „normale“ Journalist nicht mal einen Stift in die Hand nehmen würde, so eine Stimme aus dem re:Publikum.

In dieser Diskussion ging dann fast komplett unter, dass laut den Aussagen der bei der Studie Befragten (201 Medienexperten) der Datenjournalismus in Deutschland immer populärer wird. Bei der Visualisierung von komplexen Daten stehen bei ihnen Spiegel Online, Zeit Online und die taz als Vorbilder ganz weit oben. Und auch die Community wird zumindest von einigen Medien vorbildlich eingebunden – hier wurde vor allem der Freitag positiv von den Befragten erwähnt, der Beiträge von Usern nach redaktioneller Überarbeitung veröffentlicht.

Und zum Schluss noch etwas, dass gerade für uns als Journalismus-Studenten spannend ist: 86 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Kooperationen zwischen Redaktionen und externen Bildungseinrichtungen (wie der h_da). Dadurch erwarten sie sich neue Impulse und Ideen für die Redaktionsarbeit. Das könnte auch für deutsche Hochschulen eine große Chance sein!?

Sabine

Nazis im Netz

Der Rechtsextremismus im Internet ist auf dem Vormarsch. Nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa formieren sich immer neue Gruppen, die rechte Ideologien über das Netz verbreiten. Wie sich Nazis insbesondere in Sozialen Medien bewegen und wie man ihnen entgegentreten kann, darüber haben auf der re:publica die Journalistin Simone Rafael, die Sprach- und Kulturwissenschaftlerin Anna Gross, der Wiener Menschenrechtler Philipp Sonderegger und der niederländische Blogger Lennart Huizing diskutiert.

Zwar ist man sich grundsätzlich bewusst darüber, dass auch Rechtsextreme das Internet als Plattform nutzen, dennoch ist es erschreckend, viele Beispiele gebündelt zu sehen – vor allem wenn man auch über die Grenzen nach Europa blickt. Simone Rafael und Anna Gross, die das Projekt no-nazi.net auf die Beine gestellt haben, betreiben ein kontinuierliches Monitoring, was die rechte Szene online umtreibt.

Sehr aktiv ist beispielsweise die NPD in Deutschland. Die Partei arbeitet professionell mit Sozialen Medien und versucht über diese Kanäle neue Anhänger zu finden. Die Facebookseite der NPD zählt 21.000 Fans. Neben solchen offiziellen Seiten gibt es auch rechte Plattformen im Netz, die schwerer zu erkennen sind. „Häufig werden Themen oder Kampagnen verwendet, die auf den ersten Blick nicht unbedingt einer rechtsextremen Vereinigung zugeschrieben werden“, sagt Rafael – zum Beispiel Kindesmissbrauch ist ein beliebtes Thema. Es fungiert als eine Art Träger, um die Ideologie unterschwellig zu verbreiten.

Bisher sind rechtsextreme Internetaktivitäten, gerade über nationale Grenzen hinweg, noch nicht sehr stark miteinander verbunden. Allerdings werden Soziale Medien immer häufiger genutzt, um „radikales und hasserfülltes Gedankengut“ zu verbreiten. Zudem kann das Verhalten von Rechtsextremisten im Internet gefährliche Auswirkungen auf die Offline-Welt haben. So komme es schon mal vor, dass Adressen, Fotos oder Telefonnummern von linken Aktivisten auf rechtextremen Plattformen veröffentlicht werden, sagt Gross.

Über die Strategien wie man gegen rechte Propaganda im Netz vorgehen sollte, sind sich die Diskussionsteilnehmer weitestgehend einig. Einerseits sei es notwendig, diskriminierende und menschenverachtende Inhalte zu beobachten und zu melden. Vor allem müsse man versuchen, ein Bewusstsein in der Bevölkerung - gerade in weniger gebildeten Schichten – zu schaffen und sich für eine demokratischere und gerechtere Gesellschaft einzusetzen. „Dabei ist es wichtig, nicht nur an den linken und den rechten Rand der Gesellschaft zu blicken, sondern man muss beobachten was in ihrer Mitte geschieht“, so Sonderegger. Denn auch hier können antidemokratische Positionen Raum einnehmen.

Sara

Rechtsextremismus im Internet

h_da meets re:publica

Studenten der h_da treiben sich schon den ganzen Tag in Berlin und/oder vor ihren Bildschirmen herum, um die re:publica 2012 zu verfolgen:

Was wir also endlich brauchen, ist eine europäische Blogosphäre.
Ronny Patz auf Spiegel Online 
Euroblogs – nur für Euroblogger?

10:30 Uhr, Stage 5: Kurz und knackig hat Ronny Patz vor einer Stunde die Euroblogosphäre bei der re:publica 2012 in der Station Berlin beschrieben.

Die Euroblogosphäre, gemeint sind Blogs, die sich überwiegend mit europäischen Themen beschäftigen, besteht laut Ronny Patz vor allem aus professionellen Europäern, also EU-Journalisten, EU-Politikern, EU-Mitarbeitern, EU-Aktivisten etc.. Sie entstand unter anderem aus dem Bewusstsein heraus, dass europäische Politik und Gesellschaft für unser Leben wichtiger geworden sind: Sie haben direkte Auswirkungen auf unseren Alltag.

Doch diese Blogosphäre, die momentan aus rund 1.000 Blogs besteht, hat ein Problem: Sie ist in sich geschlossen. Experten schreiben mit Experten beziehungsweise für Experten: „Euroblogger sprechen am liebsten mit Eurobloggern“, so Ronny Patz.  „Es fehlt die thematische politische Diskussion“.

Was noch fehlt, ist das Zusammenspiel der einzelnen Blogger, die Interaktion mit dem Rest der Sphäre: Kommentare sind selten, nur 20 Prozent verlinken andere Blogs. Und auch die verschiedenen Sprachen stellen eine Hürde dar. Ja, die meisten bloggen in Englisch, aber es gibt auch einige laut Patz recht gute Blogs, die das nicht tun – und damit einen großen Teil der Öffentlichkeit nicht erreichen.

Aber immerhin, es gibt sie, die Euroblogosphäre. Und darauf kann man aufbauen. Hier ein paar Empfehlungen von Ronny Patz – falls der ein oder andere Nicht-Experte sich mal heran trauen möchte: Coulisses de Bruxelles (in Französisch), euobserver (in Englisch) und Lost in Europe (in Deutsch).

Fazit: Da könnte noch viel mehr gehen, bei den Eurobloggern. Mehr Offenheit, mehr Interaktivität und vor allem das Überwinden von Sprachbarrieren würden der Szene wohl gut tun. Die Lösung aller Probleme ist, so meint zumindest Ronny Patz, Presseurop. Da werden Nachrichten aus verschiedenen Ländern in zehn Sprachen übersetzt, und parallel dazu schreiben Journalisten in jeder dieser Sprachen ein Blog. Unter den Texten werden dann alle Kommentare zu einem Thema angezeigt, auch die, die in anderen Sprachen verfasst wurden. Der einzige Beigeschmack: Das Ganze wird von der EU-Kommission gesponsert.

Sabine