Das re:blog hat heute ein Video des Vortrags „Innovationslabore des Journalismus – der Funke springt über“ veröffentlicht. Darüber sind wir sehr dankbar, denn es war eine spannende Diskussion, die der Auftritt gestern auf Stage 4 der re:publica in Berlin hervorgebracht hat.
Auf der Bühne standen die Herausgeber des Portals Vocer.org: Journalistin und Bloggerin Ulrike Langer, Medien- und Kommunikationswissenschaftler Dr. Leif Kramp, Journalistikprofessor Dr. Stephan Weichert und Journalist Alexander von Streit. Sie haben mit dem Publikum über die Zukunft des Journalismus in Deutschland debattiert. Grundlage für die Diskussion waren unter anderem die Ergebnisse der Studie „Innovationsreport Journalismus“.
Das Kernergebnis der Studie lautet:
„Das Internet ist in den Geschäftsführungen der großen Verlage in Deutschland angekommen“.
Großartig. Willkommen im 21. Jahrhundert. Sie zeigt einmal mehr, dass die deutsche Medienbranche nicht besonders innovativ zu sein scheint: Es wird noch zu viel ins Ausland geschaut, und zu wenig experimentiert.
„Eine klägliche Bestandsaufnahme“, nannte Weichert das. Und so sah es auch das kritische Publikum, bei dem die Bühnenshow nicht durchweg gut ankam: Ja, die Verlage sind verschlafen. Aber, viel schlimmer: Selbst die sogenannten Kreativen schaffen es nicht so recht, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwerfen – eines, das sowohl finanziell als auch für die Nutzer funktioniert. „Was Besseres kriegen wir nicht hin“, hieß es aus dem Publikum und „bei uns steckt noch vieles in den Kinderschuhen“ auf der Bühne.
Ein bisschen deprimierend ist das schon. So wie der Trend zum „Mobilen Journalismus“ in Deutschland, den die Studie ausgemacht hat: Ein-Mann-/Frau-Redaktionen rücken mit ihrem Handy aus und machen alles ganz alleine: texten, filmen, fotografieren, vertonen etc. – und das meist für einen Lohn, für den jeder „normale“ Journalist nicht mal einen Stift in die Hand nehmen würde, so eine Stimme aus dem re:Publikum.
In dieser Diskussion ging dann fast komplett unter, dass laut den Aussagen der bei der Studie Befragten (201 Medienexperten) der Datenjournalismus in Deutschland immer populärer wird. Bei der Visualisierung von komplexen Daten stehen bei ihnen Spiegel Online, Zeit Online und die taz als Vorbilder ganz weit oben. Und auch die Community wird zumindest von einigen Medien vorbildlich eingebunden – hier wurde vor allem der Freitag positiv von den Befragten erwähnt, der Beiträge von Usern nach redaktioneller Überarbeitung veröffentlicht.
Und zum Schluss noch etwas, dass gerade für uns als Journalismus-Studenten spannend ist: 86 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Kooperationen zwischen Redaktionen und externen Bildungseinrichtungen (wie der h_da). Dadurch erwarten sie sich neue Impulse und Ideen für die Redaktionsarbeit. Das könnte auch für deutsche Hochschulen eine große Chance sein!?
Sabine